Unsere Kirche
Nachdem die Sankt-Georgs-Kirche um 1600 für
die wachsende Gemeinde zu klein geworden und außerdem höchst baufällig war,
wurde im April 1609 mit einem Neubau begonnen. Im Jahr 1649 brannte der
Kirchturm ab – vermutlich ausgelöst durch einen zündelnden Soldatenjungen, der
mit einer französischen Kompanie durch Öschelbronn reiste. Am 25. April
1852 brannte die ganze Kirche ab, der Turm blieb bis zur Höhe der
Glockenstube stehen. Nach langer kirchenloser Zeit wurde im Jahr 1859
nach zweijähriger Bauzeit die neue, im gotischen Stil erbaute Kirche,
eingeweiht. Es war ein langes Ringen um Zuschuss und Größe der Kirche,
das in vielen Briefwechseln im Jahre 1856 seinen Höhepunkt fand. Ein
Zuschuss des Innenministeriums in Karlsruhe wurde nicht gewährt,
stattdessen wollte die Landeskirche eine Landeskollekte erheben. Die
Kirchengemeinde wurde staatlicherseits im selben Jahr zu großer
Sparsamkeit beim Kirchenbau aufgefordert und sollte lediglich 500
Sitzplätze in der neuen Kirche vorsehen. Öschelbronn hatte damals ca.
1.053 Einwohner. Im Schriftverkehr entnimmt man einen wahren Handel um
Sitzplätze. Der Kirchengemeinderat wollte 600 Sitzplätze. So einigte man
sich schließlich auf 550. Bei der Einweihung der Kirche am
Reformationsfest, 30. Oktober 1859, hatte die Kirche noch keine
Orgel.
Interessant ist ein Brief an den
Oberkirchenrat unmittelbar vor der Einweihung, der hier im Original
übernommen wurde:
“Hochgnädigster Evang.
Oberkirchenrat!
Gehorsamste Bitte des Evang.
Kirchengemeinderats zu Öschelbronn, die Einweihung der neuen Kirche
betreffend.
Die Einweihung der neuerbauten
Kirche wird am 30. des Monats feierlich vorgenommen werden. Indem wir
hiervon pflichtschuldige Anzeige erstatten, erlauben wir uns, in der
Überzeugung, daß es gute Wirkung auf hiesige Gemeinde machen würde, die
gehorsamste Bitte auszusprechen, Hoher Kirchenbehörde möchte es
gefallen, durch Anwesenheit wenigstens eines Mitglieds des hohen
Kollegiums unsere Festfeier huldvollst zu erhöhen.
Öschelbronn, den 21. Oktober 1859
Im Namen des Kirchen-gemeinderats
Ebert”
Anlässlich des 150. Jahrestages der
Kircheneinweihung hat Herr Leicht einen Artikel verfasst. Diesen finden Sie
hier.
nach oben
Kirchenrenovierungen
Nach einer Untersuchung der Kirche im
Jahr 1987 schrieb die damalige Restauratorin:
“Eine Mitte des 19. Jahrhunderts
aufkommende Bestrebung, durch Wiederbelebung der Gotik eine spezifisch
christliche Kunst zu erneuern, wird auch an der ansatzweise im
neogotischen Stil gestalteten Ev. Pfarrkirche von Öschelbronn deutlich.
Eine Buntsandsteintafel an der linken
Chorwand weist die Kirche als nach zweijähriger Bauzeit 1859 vollendetes
Gebäude aus, das an der Stelle der 1609 errichteten und 1852
abgebrannten barocken Vorgängerkirche errichtet wurde.
Es folgen der Hinweis auf den Erbauer
und das Patronat
“Bauherr der Heilige, Sct.Georg,
wegen Mittellosigkeit desselben die hiesige politische Gemeinde.”
Ein zweiter Verweis auf den Bauherrn
ist im Gemeindewappen Öschelbronns auf dem Schlußstein des Chorgewölbes
zu finden.
Im Jahre 1927 erfolgte eine
weitgehende Neufassung der konstruktiven Holzteile, der Ausstattung und
der Raumschalen von Langhaus und Chor.
Mitte der fünfziger Jahre erhielten
die Wandflächen von Kirchenschiff und Chor ihr heutiges Aussehen,
während die Holzteile der Emporenkonstruktion und die Ausstattung ihre
alten Fassungen behielten.
Im Jahre 1974 wurde der Orgelprospekt
weitgehend nach Befund restauriert bzw. neugefaßt.”
1976 wurde die Kirche außen
renoviert. 1989/1990 folgte die Innenrestauration.
2001 erhielt die Kirche einen neuen
Außenanstrich und 2004 wurde die Orgel gründlich gereinigt und überholt.
    
nach oben
Der Name „Sankt Georg“
GEORG ist ein männlicher Vorname
griechischen Ursprungs. Damals gebräuchliche Bezeichnung für Landmann
oder Bauer. Sein Namenstag ist der 23. April.
Er wird öfters dargestellt mit Pferd,
Schwert oder Lanze, und dem Drachen. Der hl. Georg ist in der
katholischen Tradition einer der vierzehn Nothelfer. Darüber hinaus ist
er seit 1222 auch der Schutzheilige von England, von Genua, Limburg
(Bistum) und des Ritterordens. Er ist u.a. der Heilige der Artisten,
Bauern, Bergleute, Sattler, Schmiede, Wanderer, Reiter, Soldaten,
Gefangenen und der Pfadfinder. Der hl. Georg soll gegen Kriegsgefahr,
Versuchungen, Fieber und Pest schützen. Im alltäglichen Leben war Georg
ein großer Heiliger: So wurden fällige Zinsen maximal bis zum Georgstag
gestundet, Dienstboten durften nur an diesem Tage ihren Herren wechseln.
Der Bauer durfte nach dem Georgstag seine Felder nicht mehr betreten.
Als Wetterheiliger wird Georg im Bauernkalender zum Schneebringer und
auch im hundertjährigen Kalender war über ihn zu lesen: “Der hl. Georg
naht nach alten Sitten, auf dem Schimmel angeritten". Am Georgstag wird
der Pferde gedacht und vor allem in Bayern gibt es die traditionellen
Pferdeumritte (meist an dem Georgstag folgenden Sonntag).
Ein
christlicher Märtyrer
Der hl. Georg war wohl ein aus
Kappadokien (Türkei) stammender Soldat. Er wurde u.a. von Richard
Löwenherz zu seinem persönlichen Schutzherrn ernannt. Im Jahr 305 wurde
Georg von übereifrigen Christenverfolgern in der palästinensischen Stadt
"Lydda Diospolis” gefangen und in den Kerker gesteckt. Sie marterten
ihn, um ihn von seinem Glauben abzubringen, banden ihn auf ein Holzrad
und bewarfen ihn mit glühendem Kalk. Doch Georg überstand dies alles
ohne Verletzungen! Davon stark beeindruckt, bekehrte sich die Kaiserin
zum christlichen Glauben. Die Kaiserin und Georg wurden bald darauf
wegen ihres Glaubens vor den Stadttoren geköpft!
nach oben
Georgs-Legenden
Es gibt nur wenige Fakten über den
christlichen Märtyrer Georg, jedoch bildeten sich schon frühzeitig
zahlreiche Legenden, u. a. erschien er den Kreuzfahrern und führte sie
zum Sturm auf Jerusalem an (daher hatten die Kreuzfahrer den hl. Georg
im Banner).
In der mittelalterlichen Legende aus
dem Buche "Legenda aurea" von Jacopo da Voragine ist wie folgt sinngemäß
zu lesen:
“Georg wurde vom einfachen Soldat zum
Tribun im röm. Heer unter dem Kaiser Diokletian befördert. Obwohl Georg
Christ war, und zur damaligen Zeit Christenverfolgung herrschte!
Irgendwann und irgendwo tauchte plötzlich in einem Gewässer ein
schreckliches Untier, mit langem Schwanz und riesigen Maul, welches die
Größe eines Scheunentors besaß. Bald gab es auf den umliegenden Weiden
keine Schafe mehr, denn der Drache hatte alle verschlungen. Da er jedoch
ständig weiteren Hunger verspürte, bedrohte er nun die Stadtbewohner. In
seiner Angst entschied der König: "Werft das Los, und täglich soll sich
einer opfern. So können wir die Stadt vor weiterem Unheil verschonen.
Eines Tages fiel das Los auf die Königstochter! Sie ging aus Liebe zum
Vater durch das Stadttor hinaus, geradewegs zum See hinunter. Der Drache erwartete sie schon und setzte
gerade zum Sprung an, als im letzten Moment ein Ritter vor den Rachen
des Drachens preschte. Er stieß blitzschnell seinen Speer in das offene
Maul! Der Drache bäumte sich auf, peitschte mit seinem Schwanz das
Wasser zu einer hohen Welle auf, dann brach er tot zusammen! Der Ritter
hob die Prinzessin auf sein Pferd und brachte sie zurück in die Stadt.
Dort war der Jubel groß. Sofort erkundigten sich einige Soldaten wer er
sei und wie er es denn schaffte? “Ich bin Georg" war die Antwort des
Ritters "aber ich habe den Drachen nicht alleine getötet! Gott hat mir
die Kraft verliehen! Mit seiner Hilfe habe ich das Böse besiegt!" Der
König wollte Ritter Georg reich belohnen, doch der winkte dankend ab.
Georg sprach: "Wenn ihr euch dankbar erweisen wollt, so lasst euch alle
taufen und glaubt auch ihr an den dreifaltigen Gott!" Alle 13.000
Einwohner der Stadt befolgten dies mit Freuden!”
St.
Georgs-Kult
Nach kurzer Zeit wurden die
Legenden in Ägypten, Äthiopien, Syrien und im Vorderen Orient
verbreitet. Bald entstand der Georgskult auch auf Zypern, in der Türkei
(Kappadokien), sowie in Georgien. Erst später kamen die Georgs‑Legenden
durch Kreuzfahrer nach Europa. Auch im Balkan und in Russland
verehrte man ihn mittlerweile. Im Mittelalter galt er als Symbolfigur
der Ritterlichkeit.
Im 6.Jht. entstanden die ersten
Georgs‑Kirchen, so in Mainz, Neapel, Paris. An unzählig vielen anderen
Orten werden Georgs‑ Reliquien verehrt.
Die große Beliebtheit des heiligen
Georgs ermutigte Bischof Hatto von Mainz im Jahr 896 das Haupt Georgs
auf die Insel Reichenau (Bodensee), in die Stiftskirche St. Georg in
Oberzell, zu überführen.
Weitergehende Informationen zur Geschichte
Öschelbronns finden Sie
hier. Sie sind
der sehr informativen und schön gestalteten Chronik der Gemeinde
Niefern-Öschelbronn von Friedrich Leicht und Günter Schmalacker
entnommen.
nach oben
|